Horst Mahler
Stadelheimer Straße 12
81549 München

 am 17. Juni 2009

Herrn Rabbiner Avraham Zeev Nussbaum
c/o Jüdische Gemeinde Wiesbaden

Verehrter Herr Rabbiner,

im folgenden beziehe ich mich auf Ihren Beitrag „Was Bischöfe unter Toleranz verstehen“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. Mai 2009

In dem von dem Moslem Navid Kermani endlich ausgelösten Streit der abrahamitischen Religionen um die Kreuzes-Theologie schreiben Sie:

„…. der Glaube an die Dreifaltigkeit ist eine Abweichung vom reinen Monotheismus, die theologisch für das Judentum inakzeptabel ist. – Erst recht ist es im Judentum eine Verletzung der Unendlichkeit und Unbegrenzbarkeit Gottes, menschliches Leid Gott zuzuschreiben.“

Das ist eine klare Positionsbestimmung, und dafür bin ich Ihnen dankbar.

Um unbefangener mit Ihnen darüber reden zu können, scheint es mir nützlich zu sein, hier den Satz von Rafael Seligman, eines Stammesgenossen von Ihnen, einzufügen, der da lautet:

„Religionen müssen ihrem Wesen nach intolerant sein.“ (DER SPIEGEL Nr. 22/2009 s. 149) •

Die Rede ist von Gott, dem Einen, der sich nicht noch anderen Göttern gegenübersieht, die seine Macht und Herrlichkeit begrenzen, einschränken würden. Nur so gedacht ist Gott der Unendliche, Allmächtige, Allgegenwärtige, -Gott. Aber wer sind Sie, verehrter Herr Rabbiner, wenn Sie nicht Gott sind? Sie könnten mir entgegnen: „Ich? Ich bin gar nicht. Nur Gott ist.“ Das wäre vielleicht die Wahrheit; aber ich bin noch nicht soweit, Ihnen das zugeben zu können. Es fehlen mir noch gedankliche Zwischenglieder, um die es hier wesentlich zu tun ist. Man sollte da nicht so schnell „drüberweggehen“. Für mich sind Sie, auch wenn ich Sie noch nie in meinem Leben gesehen habe. Sie sind für mich der Verfasser jenes Artikels, den ich eingangs erwähnt habe. Also Sie sind. Aber wenn Sie nicht Gott sind, wo ist dann Gott? Würde er nicht dort aufhören, wo Sie anfangen? Sie wären es doch, der Gott eine Grenze setzte. Dann wäre Gott doch nicht der Unbegrenzte. Er wäre nicht unendlich. Alle, die da sagen: „Ich bin nicht Gott“; stürzen damit Gott, den Unendlichen, von seinem Thron. Solche lästern Gott, obwohl sie es vielleicht gar nicht wissen. Nur soviel kann ich Ihnen zugeben, daß auch ich Sie zunächst von Gott zu unterscheiden weiß. Aber wie übersteht Gott diesen Unterschied? Wenn ich meine Hand von meinem Kopf unterscheide, sterbe ich dann? Wo ist Ich in diesem Unterschied? Mein Unterscheiden bringt mir den Kopf nicht von den Schultern und meine Hand liegt nicht getrennt von meinem Körper vor mir als ein Stück verfaulenden Fleisches.

Wenn ich Sie also von Gott unterscheide, trenne ich Sie nicht von Gott ab. In der Unterscheidung bleiben Sie ein Teil Gottes. So nur setzen Sie Gott nicht zu einem Endlichen herab, denn, wo Sie sind , dort ist auch Gott. Dieser hat an Ihnen keine Grenze. ER ist in Ihnen bei sich. Und es ist nicht der geringste Teil an Ihnen, der außer Gott wäre.

Das ist die Wahrheit, die Gott mit seinem Tod am Kreuz offenbart hat. Ich werde das noch verdeutlichen. Jetzt erst könnte ich Ihren abwehrenden Satz: „Ich bin gar nicht. Nur Gott ist .“ nachvollziehen. In der Tat: Sie sind gar nicht, wenn man unter Ihrem Sein ein solches verstehen sollte, das für sich ist, nicht das Sein eines Anderen ist. Von einem Ding, das sein Sein in einem Anderen hat, sagen wir, daß es nur eine Erscheinung sei. In diesem Sinne sind Sie nicht Sein sondern Erscheinung. Es ist der Begriff der Erscheinung, daß in diese ein Anderes als ihr Grund scheint . In diesem Sinne ist jeder Mensch, weil er Geist ist, eine Erscheinung Gottes. Nicht Ihnen, sondern nur Gott kommt wahrhaftes Sein zu, das als Grund in sie scheint und Sie begeistet. Nun sind Sie auf unserem Gedankengang keineswegs verschwunden. Sie sind für mich unverändert immer noch vorhanden als der Verfasser jenes Artikels. Was nun?

In meinem Denken habe ich nun verschiedene Momente: 1. Sie; 2. Gott; 3, den Unterschied zwischen Ihnen und Gott; 4. die Erkenntnis, daß in der Unterscheidung Gott nicht verendet sondern in den unterschiedenen als ein und derselbe lebt und gegenwärtig ist. Das ist es, was wir Christen mit dem Wort „Dreieinger Gott“ sagen. Wo ist. dann Ihr Gott? Sie versagen ihm die Dreieinigkeit, indem Sie diese „für das Judentum inakzeptabel“ finden. Ihr „Gott“ ist gar kein Gott, denn er ist nicht dort, wo ich bin. Ihr Gott kann den Unterschied nicht ertragen; deshalb ist er ein „verzehrendes Feuer, ein eifersüchtiger Gott“ (Deut 4, 24).

Genau das ist es, was Juden von den Christen unterscheidet: Juden unterscheiden und halten die Unterschiedenen getrennt, so daß das eine nicht zugleich auch das andere ist, keine Einsheit der unterschiedenen ist. Christen unterscheiden, wissen aber, daß die Unterschiedenen nicht getrennt sind sondern in Einsheit. „

Gott ist Geist.“ (Joh 4, 24), d.h. Gott ist Leben als Denken, das in sich Unterschiede setzt, die es aber zugleich wieder aufhebt in der Erkenntnis ihrer Dieselbigkeit. Das eben ist das Leben des Geistes, daß er sich urteilt, Anderes in sich setzt, das Anderssein als sein eigenes Sein erkennt und dadurch in sich zurückfindet als gewordene Einsheit, die die jetzt aufgehobenen Unterschiede als Momente seiner selbst in sich hält.

„Aufheben“ der Unterschiedenen ist in der dreifachen Bedeutung „beenden“ – ein Gesetz wird aufgehoben, dann gilt es nicht mehr – „erhalten“ – die in die Scheune verbrachte Ernte wird für künftigen Verzehr dem Verderben entnommen -, „erhöhen“ -· das am Boden Liegende wird in eine höhere Lage verbracht – zu fassen. Der sich als Teil Gottes begreifende Mensch verliert damit seine Geltung als ein Selbständiger, gewinnt aber durch diesen Verlust die bewußte Teilhabe am göttlichen Wesen. Diese Einsicht in seine Ebenbildlichkeit (Gen l) erhebt uns Menschen in eine höhere Existenz und befreit uns von den Anmaßungen des aufklärerischen Humanismus, der den Menschen an die Stelle Gottes setzt. Und den Anspruch, im Denken erkannt zu werden, kann Gott wohl an uns, die wir Geist sind, stellen. Oder sehen Sie das anders?

Und Sie haben noch einen anderen bemerkenswerten Satz aufgestellt: „Erst recht,“ so schreiben Sie – “ist es im Judentum eine Verletzung der Unendlichkeit und Unbegrenztheit Gottes, menschliches Leid Gott zuzuschreiben.“ Dieser Satz geht, was im vorstehenden liegt, ins Leere, denn er hat keinen Gegenstand. In ihm ist die Trennung von Gott und Mensch vorausgesetzt, die in Wahrheit nicht gegeben ist. Denn nur, wenn Mensch nicht zugleich Gott ist, gäbe es menschliches Leid, das nicht zugleich Leiden Gottes wäre.

Was der Mensch leidet, das leidet Gott. Sie gehen also von einer Voraussetzung aus, die nicht gedacht werden kann. Deshalb ist Ihnen das Mysterium des Kreuzes – ebenso wie dem Moslem Navid Kermani – ein unlösbares Rätsel geblieben, über das Sie mit dem Verstand nicht urteilen können. Der Verstand ist die Domäne des jüdischen Geistes als jenes Denken, das unterscheidet, ohne die Einheit der Unterschiedenen fassen zu können. Das ist nun durchaus kein falsches Denken, denn die lebendige Einsheit Gottes kann als solche erst begriffen werden, wenn Unterschiede im Denken gesetzt sind. Aber das Unterscheiden ist das eine. Das andere ist die Vernunft, die die Unterschiedenen als Momente einer konkreten Einheit begreift. Das jüdische Denken ist also endliches Denken, das die Unendlichkeit Gottes, das Absolute, nicht zu fassen vermag (Martin Buber).

Das Kreuz ist von der Erscheinung Gottes als dieser einzelne Mensch Jesus von Nazareth nicht zu trennen. Es steht damit die Frage, ist Jesus, der Christus der Kirche, wahrhaft Gott in der Erscheinung als sein Sohn oder nur ein Schwindel?

Gott als lebendiger Geist ist der Trieb, sich zu offenbaren. Da nichts außer Gott ist, das ihn begrenzen könnte, erscheint Gott sich selbst. In der Erscheinung offenbart er sich als der, der er ist. Die Erscheinung ist das Wahrnehmen Gottes in allen Formen die dem Geist eigentümlich sind: im fühlenden, vorstellenden und denkenden Bewußtsein.

Der Mensch als Geist ist Bewußtsein. Das unmittelbare, einfachste, noch nicht durch Bildung irgendeiner Art geformte Bewußtsein, Bewußtsein überhaupt, ist das Bewußtsein, das wir sinnliche Wahrnehmung nennen. In dieses Bewußtsein erscheint sich Gott als sein Sohn und wird so auch zur sinnlichen Gewißheit der Einsheit von Gott und Mensch für alle Menschen, d.h. für das Bewußtsein überhaupt und nicht nur für das gebildete Bewußtsein in Gestalt von Theologen oder Philosophen.

Von den Menschen, die ihn gesehen und ihn unmittelbar gefühlt haben als Mensch und in diesem Sehen und Fühlen ihn als Gott erkannt haben, geht nach seiner Verklärung, diese als Himmelfahrt vorgestellt, die Ausgießung des Heiligen Geistes in der Gemeinde der Gläubigen aus, die als sein ewiger Leib, als die von Christus selbst gestiftete katholische Kirche, in der Welt gegenwärtig und wirkend ist. Und Gott ist sich als Mensch erschienen, nicht um sich mit verdumpften und vom Weg der Selbsterkenntnis abgewichenen Geistern gemein zu machen. Jesus offenbarte den Menschen: „denket nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, einen Menschen zu entzweien mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und des Menschen Feinde werden seine Hausgenossen sein. ‚(Mich 7,6) Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.“ (Matt 10,34-39) Hier ist von Christus selbst die Bedeutung des Kreuzes angedeutet.

Wer den Begriff (dieser Ausdruck bezeichnet das Leben Gottes als reines Denken, als logische Idee) nicht kennt, wie ihn der Deutsche Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel in seinem Werk als ein Ganzes (System) aufgezeigt hat,

„wird das Leben Jesu als eine äußerliche Geschichte auffassen, wie das ähnlich verlaufene Leben Sokrates: In diesem Sinne lebt die Erinnerung an Jesum im Koran. Aber der Geist erkennt aus dem Begriff das Leben Jesu und seinen Tod am Kreuz radikal anders, als Offenbarungsgeschehen.

Mit dem Tode Christi beginnt die Umkehrung des Bewußtseins. Der Tod Christi ist der Mittelpunkt, um den es sich dreht; in seiner Auffassung liegt der Unterschied äußerlicher Auffassung und des Glaubens, d.h. der Betrachtung mit dem Geiste, aus dem Geiste der Wahrheit, aus dem heiligen Geist.

Nach jener Vergleichung ist Christus Mensch wie Sokrates, ein Lehrer, der in seinem Leben tugendhaft gelebt und in dem Menschen zum Bewußtsein gebracht
hat, was das Wahrhafte überhaupt sei, was die Grundlage für das Bewußtsein des Menschen ausmachen müsse.

Die höhere Betrachtung ist aber die, daß in Christus die göttliche Natur geoffenbart worden sei. Dieses Bewußtsein reflektiert sich auf die angeführten Aussprüche, daß der Sohn den Vater kenne usw. -Aussprüche, die zunächst für sich eine gewisse Allgemeinheit haben und welche die Exegese in das Feld allgemeiner Betrachtung herüberziehen kann, die aber der Glaube durch die Auslegung des Todes Christi in ihrer Wahrheit auffaßt; denn der Glaube ist wesentlich das Bewußtsein der absoluten Wahrheit dessen, was Gott an und für sich ist. Was aber Gott an und für sich ist, das haben wir gesehen: er ist dieser Lebensverlauf, die Dreieinigkeit, worin das Allgemeine sich sich selbst gegenüberstellt und darin identisch mit sich ist. Gott ist in diesem Elemente der Ewigkeit das zusammenschließen mit sich, dieser Schluß seiner mit sich. Der Glaube nur faßt auf und hat das Bewußtsein, daß in Christo diese an und für sich seiende Wahrheit in ihrem verlauf angeschaut werde und daß durch ihn erst diese Wahrheit geoffenbart worden sei.“ (Hegel, Philosophie der Religion II, Suhrkamp-Werkausgabe Bd. 17 Seiten 286 ff.)

In diesem Leben Gottes ist die Welt, ist der Mensch zwar in Gott, aber in einer Entfremdung. Dieses Moment macht die Substanz des Mosaismus aus. Jahwe ist eifersüchtig auf seine Schöpfung, und er will die Völker vertilgt sehen, vertilgt kraft seines Willens durch sein „Eigentumsvolk“, die Hebräer. In diesem Haß gegen die Völker verendlicht sich Jahwe, denn er wähnt sich einem Geist, den „Götzendienern“, gegenüber, der ihm seine Existenz, eben im Götzendienst, bestreitet. Diesem Bestreiten seiner Göttlichkeit setzt er seinen Haß entgegen und die Vernichtung, die sein „eigenes Volk“ befehlsgemäß zu bewirken hat (Jes 34,2-17).

Der weitere Schritt im Leben Gottes, das Entwicklung ist, ist die Erkenntnis, daß die Welt, der Mensch, seine Schöpfung, nicht über ihn hinausgelangt ist, sondern er selbst in der Bestimmung des Anderen, in dem er bei sich und damit wahrhaft unendlich ist. Dieses in sich gewonnene Selbstbewußtsein Gottes, das zugleich das Selbstbewußtsein des Menschen wird, ist als Gefühl die Liebe. Haß, Zorn, die Eifersucht, sind gewichen. Der liebende Gott, an den wir Christen glauben, ist mit seiner Schöpfung versöhnt.

Das Leben Gottes erschöpft sich nicht im Menschsein. vielmehr ist sein Leben die Rückkehr aus seinem Anderssein in sich selbst, d.h. ER ist das Aufheben des Menschseins, das so nur im Verschwinden in die göttliche Natur ist, eine Negation, die selbst negiert wird. Gott setzt sich so als das Affirmative, das wahrhafte Sein, in dem das Anderssein zum Schein herabgesetzt, nicht für sich berechtigt gegen Gott ist.

An Jesu als Offenbarung des göttlichen Wesens mußte also diese Negation des Menschen als Menschen ebenfalls erscheinen als sein natürlicher Tod und die Auferstehung von den Toten sowie seine Verklärung. Durch die besondere Weise seines Todes am Kreuz mußte aus dem Begriff zur Anschauung kommen das Moment der Versöhnung Gottes mit dem Menschen: daß der Mensch umfassend in Gott aufgenommen ist und Gott im Menschen -in allen Menschen – gegenwärtig ist. Das setzt notwendig voraus, daß dieses Versöhntsein für die Anschauung bis in jene Bereiche hineinwirkt, die der Mensch als das Böse aus sich auszugrenzen bemüht ist durch Vernichtung des Lebens, in dem sich das Böse manifestiert, des Verbrechers. Auch dieser ist Mensch, das unauslöschliche Ebenbild Gottes. Diese seine Bestimmung als Geist garantiert jedem Menschen – und damit der Menschheit insgesamt ohne Unterschied – die Vergebung der Sünden, wenn er den Weg des Heils, die Nachfolge Christi, wählt, also seine Sünden bereut. Diese Gnadengarantie ist aus dem Begriff heraus unendlich. Sie gilt, gleichgültig, wie tief der einzelne Mensch auch gesunken sein mag. Nur die Sünde wider den heiligen Geist kann nicht vergeben werden, denn diese ist die bewußte feindselige Verweigerung der Nachfolge Christi. Diese Sünde ist der Hochmut Belsazars: „Dir Jehova kündige ich auf ewig Hohn! Ich bin der König von Babylon!“

Jesus stirbt am Kreuz:

„Christus (ist) gestorben den gesteigerten Tod des Missetäters; nicht nur den natürlichen Tod, sondern sogar den Tod der Schande und Schmach am Kreuz: die Menschlichkeit ist an ihm bis auf den äußersten Punkt erschienen.“ (Hegel, a.a.O. Seite 289)

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Daß der Mensch auch noch auf diesem äußersten Punkt seiner Selbstvergessenheit in Gott gehalten bleibt, ist die Wahrheit des Dogmas, daß Christus mit seinem Tod am Kreuz alle Sünden der Welt auf sich genommen und dadurch diese erlöst habe.

Dieses Wissen, und damit die heilsgeschichtliche Bedeutung des Kreuzes, ist Navid Kermani nicht zuteil geworden. Er ist nur naiv. Kennzeichnend für ihn ist, daß er unbefangen ausspricht, was ihm in seiner Unbedarftheit einfällt und welche Gefühle diese Gedanken begleiten.

Anders verhält es sich mit den Juden, die Christus als vermeintlichen Apostaten und Götzendiener ewig den Tod wünschen. Ihnen und niemandem sonst ist das Schwert verheißen. Aber man muß wissen, was das Schwert im Reiche der Religion ist. Dort ist es gezückt nicht gegen die Menschen, in denen der im Kampf zu überwindende einseitige Geist, der abstrakte Monotheismus, lebt und verleiblicht ist. Der Geist ist nicht an seiner leiblichen Existenz zu fassen, sondern an ihm selbst. An ihm wirkt nicht eine Klinge aus Stahl, sondern das Flammenschwert, dessen Lichtschein den Geist der Finsternis (Joh 1,5) vertreibt.

Wenn sich Männer der Kirche dieser Finsternis, dem Mosaismus in seiner polemischen Haltung gegen Christum, zuneigen und den “versöhnlichen“, von Toleranz geprägten Dialog suchen, ist die Frage berechtigt, ob sie mit dieser Haltung noch Teil des spirituellen Leibes Christi in seiner Gemeinde sind, oder nicht vielmehr der Gegenkirche zugehören, die vermittels der Freimaurerei in der katholischen Kirche die Synagoge des Satans errichtet hat?

„Sie hat sich eingeschleust und heimlich hineingestohlen; rastlos arbeitend, nach Belieben täuschend, ist sie jetzt aus ihren finsteren Schlupfwinkeln, wo sie sich verbarg, herausgetreten, um sich öffentlich als Macht kundzutun.“

(Papst Pius IX. am 21. November 1873, zitiert bei Jacques Plocard dÄssac, Das Geheimnis der Freimaurer, 2. Aufl., Stuttgart 1990, s. 180)

Toleranz gegenüber dem Antichrist ist Sünde wider den heiligen Geist, die nicht vergeben werden kann. Ihr Lob für Kardinal Lehmann, dessen Theologie Sie im Zusammenhang mit dem “Projekt der Judenbekehrung“ von Ihrem Standpunkt aus als “mutig, moralisch(!), kreativ, revolutionär und geschichtsbewußt“ bewerten, macht diesen verdächtig, für den Antichristen zu wirken. Wie sagte es der Jude Rafael Seligman? “Religionen müssen ihrem Wesen nach intolerant sein.“ Endlich sagt das mal einer, den man noch hört.

Der Tag ist nicht mehr fern, da Christen das Banner der Intoleranz endlich auch wieder auf den Zinnen des Vatikans hissen werden. Die Heimholung der PiusBruderschaft in den Schoß der katholischen Kirche ist ein vielversprechender Anfang.

Nun lassen Sie uns auch das Schwert, das Christus gebracht hat, näher betrachten. Für den Geist ist nur der Geist. Nichts sonst vermag ihn zu berühren. Und der Geist, so er die Wahrheit vernimmt, gibt Zeugnis von ihr. Nichts wird in ihn hineingebracht, was nicht schon in ihm wäre. Die Einwirkung des Geistes auf den Geist ist ein Resonanzgeschehen. Er selbst ist es, der sich zum Schwingen bringt. Und so werden wir, sobald wir das Joch Jakobs von unserem Nacken abgeschüttelt haben werden (Gen 27,40), unseren Kindern im Denken, ihrem Innersten, diese Gedanken zeigen. Wir brauchen dann gar nicht mehr mit äußerlicher Autorität zu sagen: „Das ist die Wahrheitl“, denn sie haben diese selbst schon erkannt, indem wir sie zeigen. Der Kinder eigenes Denken gibt ihnen die Gewißheit, daß es die Wahrheit ist. Und die Wahrheit ist, daß sich Ihr Gott, der Gott der Juden, gar nicht denken läßt. Und die Kinder schon werden wissen, daß Gott als Geist nur im Denken und selbst Denken ist. Dadurch wird ihnen die Gewißheit, daß, wenn Jahwe nicht gedacht werden kann, er auch nicht ist.

Damit durchbrechen wir das uns von Juden aufgezwungene Toleranzgebot, welches als Schutzwall um einen toten Gott errichtet worden ist, damit seine Unlebendigkeit nicht erkannt werde. Wo werden dann die Kinder Israels sein? Werden sie sich diesen Gedanken verschließen können? Wie? Sie sind an sich Menschen, also Geist. Und der Geist gibt Zeugnis dem lebendigen Gott, der Geist ist.

Für den Geist sind Drohungen, Flüche, Gefängnisse und Galgen nichts. Was vermögen Rabbiner wider den Geist? In allen Juden brennt die Sehnsucht, endlich nicht mehr als Auserwählte Jahwes, als Knechte seines Zorns und Hasses gegen die Völker in der Welt dazusein, sondern sich als Menschen in Gott, als Kinder der Liebe des Dreieinigen Gottes zu erkennen. So und nicht anders wütet das Schwert Christi unter den Menschen. Amen!

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